ERGSTER HABITAT FREUNDE e.V.

Ergste gegen Monsterräder - Windenergie? So nicht!

In Schwerte-Ergste sollen in einem Naherholungs- und besonders schutzbedürftigen Waldgebiet zwei Windkraftanlagen mit einer jeweiligen Höhe von 199,60 Metern durch das Aktienunternehmen ABO Wind AG aus Wiesbaden errichtet werden. Am 16.06.2020 hat die ABO Wind zur Überraschung sämtlicher Parteien und Bürger in Schwerte einen Bauantrag beim Kreis Unna eingereicht. Bei der ABO Wind AG handelt es sich um einen „Global-Player“, der in sechzehn Ländern der Welt Windkraftanlagen baut und Investments tätigt. Eine Beteiligung der Bürger, Anwohner oder der Stadt Schwerte an den Windkraftanlagen ist durch die ABO Wind AG nicht geplant. Offensichtlich möchte ABO Wind die Bürger vor vollendete Tatsachen stellen und hofft aufgrund der „besonderen“ Zeiten (Corona) auf wenig Gegenwehr bei der Bürgerschaft. Keine Partei in Schwerte oder Anwohner wurde vorab in die erneuten Plänen eingeweiht. Bereits im Jahr 2012 hat ABO Wind in Kooperation mit den Stadtwerken Schwerte versucht, mehrere Windkraftanlagen im Ergster Wald zu bauen und ist kläglich gescheitert. Zum einen an dem erheblichen Bürgerwiderstand und zum anderen an entgegenstehenden Gutachten. Warum die damaligen Gutachten heute anscheinend keinen Bestand mehr haben, konnten wir bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht prüfen, da uns die Gutachten nicht vorliegen. Auch eine Prüfung der durch ABO Wind eingereichten Unterlagen war uns bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, da ABO Wind in ihrer Informationspolitik gegenüber Bürgern sehr geizig ist.

Der Antrag auf Akteneinsicht nach dem Informationsfreiheitsgesetzt (IFG) und nach dem Umweltinformationsgesetz (UIG) beim Kreis Unna bzgl. sämtlicher vorliegenden Akten und Nebenakten zu dem o.a. Bauprojekt ist gestellt.

Aus folgenden Gründen stehen wir dem Bauvorhaben der ABO Wind AG kritisch gegenüber und würde es begrüßen, wenn der Kreis Unna die folgenden Gründe in Ihren Entscheidungsprozess einfließen lässt:

1.) Standortauswahl der ABO Wind AG

ABO Wind hat mit dem Bauantrag öffentlich bekanntgegeben, dass zwei Windkraftanlagen mit einer Höhe von bis zu 200 Metern errichtet werden sollen. Warum gerade die bekanntgegebenen Flächen von ABO Wind ausgewählt wurden, darüber lässt sich spekulieren, da sie von den im Jahr 2012 ausgewählten Standorten abweichen. Anscheinend sollen durch die neuen Standorte die negativen Gutachten aus den Jahren 2012 ff. umgangen werden. Bei einer SPD-Informationsveranstaltung1 am 01.08.2020 am Sportplatz in Ergste kam heraus, dass der Eigentümer der Grundstücke ist, auf denen die Windkraftanlagen gebaut werden sollen. Der Grundeigentümer soll bereits im Vorfeld auf sein Einspruchsrecht gegenüber der ABO Wind verzichtet haben, da der Abstand zu seinem Wohngebäude lediglich ca. 480 Meter beträgt. ABO Wind hat hier bereits deutlich bewiesen, dass sie mit allen Mitteln dieses Projekt durchdrücken möchte, wenn sie vorab ohne Informationen an die Bürger und an die Stadt Schwerte Verträge abschließt. 


2.) Windstärken an den ausgewählten Standorten

Schaut man sich die Daten des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz an, fällt sofort auf, dass die Windstärke in dem von ABO Wind ausgewählten Gebiet sehr gering ausfällt und es sich um eines der schwächsten Windgebiete in Schwerte handelt. Die Karte zeigt die Windstärken in einer Höhe von 135 Metern (ca. Nabenhöhe). 

Eine tatsächliche Windmessung an den von ABO Wind ausgesuchten Standorten hat bis heute unseres Wissens nicht stattgefunden. Unseres Erachtens wäre das der einzige Weg, die Effizienz und Wirtschaftlichkeit dieser Standorte zu beurteilen. Windkraftanlagen sollten nicht genehmigt werden, wenn bereits jetzt abzusehen ist, dass sie nicht wirtschaftlich und effizient sind. Bei der wirtschaftlichen Betrachtung müssen Subventionen an die ABO Wind AG außen vor bleiben. Die extremen Abweichungen im Rahmen der Gutachten zwischen Hochrechnungen aufgrund von Daten der Wetterdienste (Windhöffigkeit lt. Klimaatlas) und den tatsächlichen Messungen vor Ort wurden eindrucksvoll in der Stadt Birkenau/Hessen bewiesen2 . Hier wichen die Schätzungen und Hochrechnungen hinsichtlich der Windstärke um ca. 40% nach unten ab. Da die Menge des eingespeisten Stroms durch Windenergie in der dritten Potenz3 mit der Windstärke ansteigt, ist jede Wirtschaftlichkeit der Windkraftanlagen von Anfang an mehr als fragwürdig, wenn nicht detaillierte und umfangreiche Messungen an den Standorten in Ergste durchgeführt werden. Sollte die geschätzte und hochgerechnete Windhäufigkeit lediglich um 10 % geringer sein, ist dadurch mit ca. 30 % weniger Ertrag zu rechnen! Die allgemeine Wirtschaftlichkeit von Windkraftanlagen wird bis heute von vielen Experten bezweifelt. Bei den meisten Unternehmen stehen anscheinend die Subventionsmittel im Vordergrund. 


3.) Was haben die Bürger und die Stadt Schwerte von den beabsichtigten Windkraftanlagen? 

Die Ergster-Bürger haben keinerlei Vorteile von diesen Windkraftanlagen, da sie nicht beteiligt werden. ABO Wind ist ein privatwirtschaftlicher Global-Player, dem die Belange und Gesundheit der Bürger nicht interessieren. Auch die Stadt Schwerte hat grunddsätzlich keine Vorteile von der Errichtung dieser Windkraftanlagen. Man könnte im ersten Gedanken auf zusätzlichen Einnahmen bei der Gewerbesteuer hoffen, aber dies ist sehr unwahrscheinlich. Gewerbesteuer entsteht, wenn die Windkraftanlagen in Ergste Gewinne erzielen. Aufgrund der hohen Anschaffungskosten eines Windrades und der nicht einschätzbaren Windhöffigkeit kann bereits jetzt davon ausgegangen werden, dass in den nächsten 15 Jahren kein Euro zusätzlich in die Schwerter Kassen fließen wird.4 


4.) Auswirkung auf die Umwelt und die Anwohner
Die geplanten Windkraftanlagen haben eine Gesamthöhe von ca. 200 Metern. Der Dortmunder Fernsehturms hat im Vergleich eine Höhe von 208 Metern. Es sollen also durch einen Global-Player zwei Dortmunder Fernsehtürme in das Naherholungsgebiet in Ergste gebaut werden, in dem schützenswerte Tierarten und Waldbestände existieren, ohne das die Bürger und Politik darauf Einfluss nehmen können? Dass ein negativer Einfluss auf die heimischen Tierarten und die Anwohner von diesen Anlagen ausgehen kann, sollte jedem einleuchten. Sogar ABO Wind selbst geht von Belastungen der Anwohner und Bürger in Ergste aus, da sie in den eingereichten Gutachten bereits auf Schattenschlag und Geräuschemissionen angeblich eingehen sollen.
Um die Windkraftanlagen bauen zu können, müssen Asphalttrassen zum Teil durch den Ergster-Wald gebaut werden. Hierzu müssen einige tausend Quadratmeter Baumbestand gerodet werden. Des Weiteren werden für diese Höhe von Windkraftanlagen enorm große Fundamente benötigt, die einen Durchmesser von mehr als 20 Metern Stahlbeton haben. Diese Fundamente werden für mehrere Jahrhunderte existieren, auch nach einer etwaigen Demontage der Anlage. Die Auswirkungen auf die Umwelt und das Ökosystem sind nicht abschätzbar. Die ABO Wind AG hat bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekanntgegeben, an welchen Stellen die Stromtrassen zur Einspeisung des Stromes herlaufen werden. Es hat den Anschein, dass ABO Wind ihr großes Ziel durch kleine Schritte und eine spärliche Informationspolitik erreichen möchte, die sog. „Salamitaktik“. Schwerter Ornithologen haben bereits im Jahr 2012 bei der ersten Antragstellung besonders schützenswerte Rotmilane und Schwarzstörche in diesem Gebiet beobachtet. An diesen Beobachtungen hat sich im Jahr 2020 nichts geändert. Vor allem Rotmilane werden sehr oft in diesem Gebiet gesichtet. Auch Kranichzüge werden seit Jahrzenten über Ergste gesichtet. Welche Gutachten liegen diesbzgl. vor bzw. werden vom Kreis Unna in Auftrag gegeben?

 

5.) Auswirkung auf den gesamten Wohnort Ergste 

Des Weiteren sollen die Windkraftanlagen im südlichen Gebiet von Schwerte-Ergste gebaut werden. Durch die überwiegend standardmäßige südliche Himmelsausrichtung der Häuser sind die 200 Meter hohen Windkrafträder von vielen Grundstücken in Ergste und Schwerte sichtbar. Dies ist auf den ersten Blick nicht als gravierender Mangel an Wohnqualität anzusehen. Nichtsdestotrotz werden die Grundstückspreise in diesem Gebiet automatisch absinken, was einen realen Verlust für jeden Anwohner zur Folge hat. Zu bedenken ist darüber hinaus, dass es durch diese südliche Ausrichtung bei vielen Bürgern in Ergste im Winter zu direktem und indirektem „Schattenschlag“ kommen wird. Die negativen gesundheitlichen Auswirkungen werden durch viele Studien bestätigt. An diesen Studien wird eine teilweise elektronische Abregelung der Anlagen u. E. auch nicht viel ändern. Durch die WHO und die Ärztekammer NRW werden Abstände zu Wohngebieten bei Windkraftanlagen dieser Größe von ca. 2.000 Metern seit langem gefordert.5 In unserem Fall betragen die Abstände zu der ersten Wohnsiedlung ca. 690 Meter. Durch unabhängige Untersuchungen im In- und Ausland ist davon auszugehen, dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch Infraschall bei den Anwohnern innerhalb von 2.000 Metern Umkreis zu befürchten ist.6 Des Weiteren ist bei deutlicher Unterschreitung dieser Entfernung ein erhöhtes Risiko bei Brechen der Rotoren und bei Bränden in den Turbinen zu befürchten. Ergste ist bereits jetzt von besonders großen Geräuschemissionen betroffen. Ergste ist der einzige Schwerter-Vorort mit einer direkten Autobahnanbindung. Die Autobahn A45 und das Autobahnkreuz Westhofen sind in größten Teilen von Ergste deutlich zu hören. Des Weiteren liegt Ergste direkt in der Einflugschneise vom Düsseldorfer und Dortmunder Flughafen. Wie viel Lärm soll Ergster Bürgern noch zugemutet werden? Wir bitte hinsichtlich der Prüfung des Bauantrages für die o.a. Windkraftanlagen unsere aufgeführten Punkte zu berücksichtigen und dabei insbesondere an die gesundheitlichen Folgen der betroffenen Anwohner und den Umwelt- und Tierschutz zu denken. 

1 https://www.lokalkompass.de/schwerte/c-politik/zwei-200m-hohe-windraeder-in-ergste_a1411305
2 http://www.rettet-den-taunuskamm.de/presse/diverse-artikel/190-ineffizienz-von-windkraftanlagen-bzwwindparks.html
3 https://www.igwindkraft.at/kinder/windkurs/windpowerweb/de/tour/wres/enrspeed.htm
4 http://www.walter-witzel.de/Gewerbe.pdf
5 https://www.mainpost.de/regional/rhoengrabfeld/Leserforum-Windkraft-Infraschall-und-Flackerlichtmachen-die-Menschen-krank;art767,6741084
6 http://www.windturbinesyndrome.com